Universale Trauermusik
Johannes Brahms: Ein deutsches Requiem
Mit einer Länge von ungefähr 80 Minuten lässt das Deutsche Requiem von Johannes Brahms Raum für ergänzende Konzertdarbietungen. Ein Blick in die Aufführungsgeschichte zeigt dabei originelle Konstellationen, begründet durch praktische Umstände oder inhaltliche Vorstellungen. Die Frage nach einer sinnvollen Konzertergänzung ist aber auch heute noch aktuell.
Aufführungsgeschichte
85 Aufführungen bis 1876 – Ein deutsches Requiem op. 45 von Johannes Brahms gehört zweifellos zu den erfolgreichen Kompositionen seiner Zeit. Doch die Rezeption stand anfangs unter keinem guten Stern: Am 1. Dezember 1867 erklangen in Wien erstmals „Drei Sätze aus: ‚Ein deutsches Requiem‘“ bei einer Gedenkveranstaltung für Franz Schubert. Als Torso aufgeführt im Konzertsaal und kombiniert mit Schuberts Rosamunde – die Reaktion war verhalten. Doch der Durchbruch kam: Schon im August 1867 hatte Brahms das noch sechssätzige Werk an Albert Dietrich geschickt: „schreibe mir schließlich recht ernstlich, was Du davon hältst.“ Was er davon hielt wurde schnell deutlich – er leitete es an den Dirigenten Carl Reinthaler weiter. Als Folge fand am Karfreitag 1868 unter den Augen der Crème de la Crème der Musikwelt (z. B. Clara Schumann und Max Bruch) im Bremer Dom die Uraufführung statt. Als „Epoche machendes Werk“ bezeichnete es Reinthaler beim anschließenden Souper. Ein Rezensent meinte gar, die „prophetischen Worte Robert Schumann’s in seinem musikalischen Testamente [sein Aufsatz „Neue Bahnen“] gingen […] in Erfüllung.“ Die Musik sei „so kunstvoll und ernst wie die Sebastian Bach’s, so erhaben und gewaltig wie Beethoven’s Missa solemnis, überall gesättigt in Melodie und Harmonie durch Franz Schubert’schen Wohllaut“. Verglichen mit dem Kanon der erfolgreichsten Komponisten – Brahms war dem kompositorischen Durchbruch ein gutes Stück näher gerückt.
Johannes Brahms
1833 – 1897
Johannes Brahms
Ein deutsches Requiem
Carus 27.055/00
Arrangement für Kammerorchester
(arr. J. Linkelmann)
Carus 27.055/50
Bearbeitung für Soli, Chor und zwei Klaviere
(arr. A. Grüters)
Carus 23.006/03
Bearbeitung für Klavier zu vier Händen
durch den Komponisten
Carus 50.999/00
Dennoch: Musikalische Ergänzungen wurden für notwendig erachtet. Den Zeitgenossen fehlte für eine isolierte Aufführung vor allem der Hinweis auf den Erlösertod, kurz, das Requiem war nicht religiös genug („Ist Christus nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel“ warnte Reinthaler mit Paulus). Schon in Bremen erklangen deswegen u. a. auch eine Arie aus Bachs Matthäus-Passion und das Halleluja aus Händels Messias. Warum? Brahms, mit tröstendem Universalanspruch, hatte bei der Zusammenstellung auf den liturgischen Text der katholischen Totenmesse verzichtet. Ja, er ließe „recht gern auch das „Deutsch“ fort und setze stattdessen „einfach den ‚Menschen‘“. Nichtsdestotrotz erweiterte er auch wegen der Einwände das Requiem noch um die große Sopranarie Ihr habt nun Traurigkeit. In dieser Fassung kam das Werk am 18. Februar 1868 in Leipzig zur Aufführung. Die Kriegswirren der Jahre 1870/71 begünstigten den anschließenden Erfolgszug nochmals, die Trauermusik in der eigenen Sprache schien zum Gedenken der Opfer hochaktuell. Der durchaus patriotisch gesinnte Brahms hat dies mit einem Konzert am 7. April 1871 in Bremen „Zum Andenken an die im Kampfe Gefallenen“ noch befördert. Direkt verschränkte er hier religiöse und politische Komponenten und ergänzte das Programm mit dem Halleluja seines noch unvollendeten Triumphliedes – dessen Untertitel ursprünglich „Auf den Sieg der deutschen Waffen“ lauten sollte.
Bis ins 20. Jahrhundert setzte sich die Diskussion um die richtige Programmerweiterung fort, wobei die Verbindung mit Arnold Schönbergs Ein Überlebender aus Warschau im Gedächtnis bleibt. Brahms freilich empfand die alleinige Aufführung weniger aus religiösen denn aus pragmatischen Gründen als ungünstig: „ich meine doch, das Requiem allein müßte zu wenig für ihr Publikum sein! Es dauert beiläufig 5/4 Stunden.“






Die am 26. Sonntag nach Trinitatis 1723 erstmals aufgeführte Kantate Wachet! betet! betet! wachet! BWV 70.2 gehört zu den zweiteiligen Kantaten Bachs, deren erster Teil vor und der zweite nach der Predigt erklangen. Dies liegt in der Geschichte der Kantate begründet: Die ursprünglich für den zweiten Advent 1716 komponierte Kantate wurde durch Einführung von Rezitativen und einen zusätzlichen Choral am Ende des ersten Teils von 6 auf 11 Sätze erweitert und textlich umgedeutet.

Georg Friedrich Händel gilt als der erste und wichtigste Vertreter Englands für die Gattung des Oratoriums. Vor allem der Messias wird als Inbegriff geistlicher Musik angesehen und zählt auch im deutschen Sprachraum zu den am häufigsten musizierten Werken. Das Werk liegt bei Carus in einer modernen Urtext-Ausgabe vor, die der international renommierte Experte für Alte Musik Ton Koopman herausgegeben hat.


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