Waltraud Graulich – Gründerin des Carus-Verlags
Am 16. Juli 2026 ist Waltraud Graulich, die Gründerin und langjährige Geschäftsführerin des Carus-Verlags, im Alter von 89 Jahren nach langer schwerer Krankheit verstorben. Mit ihrer klugen, geduldigen und ausgleichenden Art hat sie Carus geprägt. Eine Würdigung.
Waltraud Graulich geb. Rümmelin wurde 1937 als älteste von vier Töchtern in Calw im Schwarzwald geboren. Durch ihren Vater, der Lehrer und Organist war, kam sie früh mit Musik in Verbindung. Sie studierte Pädagogik und wurde Lehrerin, das Klavierspiel und Singen begleiteten sie ein Leben lang.
Als Sängerin und Korrepetitorin im Jungen Chor Leonberg, später Motettenchor Stuttgart, lernte sie den Chorleiter Günter Graulich kennen. 1960 feierten sie Hochzeit. 1972, als 35-jährige Mutter von vier Kindern, wagte Waltraud gemeinsam mit ihrem Mann Günter Graulich einen mutigen Schritt: Sie gründeten den Carus-Verlag. Waltraud Graulich übernahm von Beginn an die Geschäftsführung und führte das Unternehmen erfolgreich mehr als vier Jahrzehnte.
Die Anfänge waren bescheiden. Die Mittel für die erste Ausgabe – eine kritische Neuausgabe von Vivaldis „Gloria“ – liehen sich die Eheleute von Freunden. Was sie erwirtschafteten, wurde reinvestiert. Die ersten elf Jahre arbeiteten Waltraud und Günter Graulich alleine, der Verlag war in den Wohnräumen der Familie untergebracht. Waltraud leistete dies neben der Erziehung der vier Kinder, war liebevolle Mutter und Geschäftsführerin, Korrepetitorin beim Motettenchor, dessen Organisatorin sie außerdem war. Nachts erprobten die Eheleute vierhändig am Klavier neue Werke für das Verlagsprogramm oder lasen Korrektur.
Waltraud und Günter Graulich
Hochzeit 1960
Ehepaar Graulich
Die Rollenaufteilung war klar: Günter verantwortete das musikalische Programm, Waltraud die Bereiche Buchhaltung, Auslieferung, Rechte und Lizenzen. Darüber hinaus redigierte sie mit sicherem Sprachgefühl Editionstexte in Deutsch, Englisch und Französisch. Gemeinsam machten die beiden den Verlag bei internationalen Chorveranstaltungen wie Europa Cantat, IFCM und der ACDA weit über Deutschland hinaus bekannt.
Unter ihrer Führung wuchs Carus vom Zwei-Personen-Betrieb am Küchentisch zu einem international renommierten Chorverlag. 1983 wurde der erste Mitarbeiter eingestellt, im Jahre 2000 waren es bereits zwanzig. Der Übernahme des Notenprogramms des Hänssler Verlags folgte der Bau des heutigen Verlagshauses mit eigener Konzert- und Ausstellungshalle in der Nähe des Stuttgarter Flughafens.
2001 stieg der Sohn Dr. Johannes Graulich in das Unternehmen ein. Über zehn Jahre führten Mutter, Vater und Sohn den Verlag gemeinsam, bevor 2013 der Generationenwechsel erfolgreich vollzogen wurde. Heute sind die vier Kinder des Ehepaars, Martina Graulich, Ute Kelemen, Johannes Graulich und Markus Graulich alleinige Gesellschafter des Familienunternehmens.
War Günter Graulich der visionäre Impulsgeber, so lag bei Waltraud Graulich die wirtschaftliche Leitung von Carus. Sie war klug, geduldig, ausgleichend – und in ihrer Rolle als Geschäftsführerin eine Pionierin ihrer Zeit. Ihre Begabungen, ihre Ausdauer und ihr vermittelndes Wesen haben unser Unternehmen über Jahrzehnte geprägt.
Nach langer Krankheit ist Waltraud Graulich am 16. Juli 2026 im Kreise ihrer Familie gestorben.
Der Carus-Verlag verneigt sich in Dankbarkeit vor seiner Gründerin.





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