Musikalisch-literarische Adventsmusik
mit Georg Friedrich Händels Messiah (Nr. 1-11)
Ein „Concert spirituel“ mit ausgewählten Nummern aus dem eigentlich dreistündigen Messiah macht aus diesem Universal-Oratorium ein maßgeschneidertes Pasticcio für die Adventszeit. Kombiniert mit literarischen und liturgischen Lesungen, dazu noch Gemeindegesang – und fertig ist ein (im wahrsten Sinne) ansprechendes, einstündiges Programm, dessen Kosten sich obendrein in Grenzen halten.
Ein adventliches „Concert spirituel“ …
Händels dreiteiliges Messiah-Oratorium (1741) komplett und konzertant, das heißt immer: an einem Abend durchs ganze Kirchenjahr, von der Ouvertüre und dem adventlichen Kommen bis zur endzeitlichen Wiederkunft mit dem großen „Amen“. Und vielleicht ja auch mit dem vagen Gefühl, dass die Passionsstücke ins Adventskonzert ebenso wenig passen wie die weihnachtlichen Chöre zur Osterzeit.
Aber es gibt eine Alternative! Gerade weil Händel die Person des Messias so umfassend darstellt, sind neben der konzertanten Gesamtaufführung auch andere Formate denkbar. Warum nicht einmal einzelne Abschnitte dieses Werkes in Form eines „Concert spirituel“ und mit weiteren musikalischen, literarischen und liturgischen Akzenten nebst Gemeindegesang ad libitum? Das dauert dann jeweils nicht drei, sondern etwa eine Stunde. Auch die Kosten sind überschaubar, weil nicht immer das gesamte Vokalsolistenquartett benötigt wird, im Advent auch keine Pauken und Trompeten.
Hier soll eine bereits erprobte Adventsfeier vorgestellt werden, in deren Mittelpunkt die freudige Erwartung steht. Zunächst fiel der Verzicht auf die lukanische Weihnachtsszene etwas schwer, für die es im Advent ja noch zu früh wäre. Aber dann erwies sich die Verheißung des Propheten Jesaja „For unto us a child is born“ in Händels Vertonung als wirkungsvoller adventlicher Schluss. Und wer auch noch die „Pifa“ einbeziehen will, findet dafür bestimmt den geeigneten Platz in einer solchen Adventsmusik.
… mit Oratorium, Rezitation und Tochter Zion, freue dich
Der Beginn mit der Ouvertüre des „Oratoriums aller Oratorien“ ist gewiss gut möglich. Aber warum nicht ein gregorianischer „Auftakt“, der musikalisch sozusagen von weit her kommt und an den sich die Ouvertüre organisch (und tonartlich), ja fast effektvoll anschließt? Damit ist von Beginn an signalisiert: Wir feiern Advent und lassen uns heute auf eine Vielfalt musikalischer und literarischer Stile ein. Stefan Zweigs berühmte Erzählung über „Händels Auferstehung“ ist gewiss eine romantisch-kunstreligiöse Idealisierung. Aber sie ist doch auch ein poetischer Zugang zu wichtigen Aspekten des Messias. Deshalb lassen sich einige Abschnitte daraus gut in dieses Format integrieren, etwa dieser als „Anmoderation“ zum ersten Accompagnato des Tenors „Comfort ye, my people“:
Als möglichen Gemeindegesang enthält das Evangelische Gesangbuch und das katholische Gotteslob Händels vierstimmigen Satz „Tochter Zion, freue dich“. Dieser mehrstimmige Gemeindegesang, gerne unterstützt von Chor, Orchester und Orgel, schließt sich bestens an das D-Dur von „O thou that tellest good tidings“ an, es kann aber auch den „krönenden Abschluss“ bilden.
Händels Messiah im Rhythmus des Kirchenjahres
Ähnliche Projekte dieser Art sind mit Händels Messiah durchs ganze Kirchenjahr möglich: in der Advents- oder Weihnachtszeit (Teil 1), zur Passion und nach Ostern (Teil 2), auch gegen Ende des Kirchenjahres, etwa am Ewigkeitssonntag, mit dem dritten Teil. Die Gestaltung kann mehr konzertant oder mehr gottesdienstlich sein, oder sie kann im Sinne einer „Feier“ sozusagen auf der Grenze spielen. Und warum nicht nach einigen solchen musikalischen „Messias-Andachten“ dann im folgenden Jahr die komplett-konzertante Gesamtaufführung des „Oratoriums aller Oratorien“?
Prof. Dr. Meinrad Walter ist ein ausgewiesener Kenner im interdisziplinären Gespräch zwischen Musik und Theologie. Seit 2008 lehrt er Musikwissenschaft, Theologie und Liturgik an der Hochschule für Musik Freiburg, die ihn 2012 zum Honorarprofessor ernannt hat. Zahlreiche Publikationen, Workshops und Radiosendungen zu Kirchenmusik, Hymnologie und Musikvermittlung.
Einstündige Adventsmusik mit Händels Messiah
Adventsgesang
Veni, redemptor gentium
Chor a capp., strophischer Wechse. Männer- und Frauenstimmen
in In hymnis et canticis (Nr. 100)
CV 19.007/00

Händel: Messiah (Teil 1)
Begrüßung und Lesung
Jesaja 40, 1-11
Händel: Messiah (Teil 2)
Accompagnato (Tenor): „Comfort ye, my people“
Air (Tenor): „Ev‘ry valley shall be exalted“
Chorus: „And the glory of the Lord“
aus Georg Friedrich Händel: Messiah
CV 55.056/00

Stefan Zweig: „Sternstunden der Menschheit“
Händel: Messiah (Teil 3)
Accompagnato (Bass): „Thus saith the Lord“
Air (Altus): „But who may abide?“
Chorus: „And He shall purify“
in Georg Friedrich Händel: Messiah
CV 55.056/00

Fortsetzung Stefan Zweig „Sternstunden der Menschheit“
Fortsetzung „Georg Friedrich Händels Auferstehung“ (Alternativ: biblische oder literarische Lesung)
aus Stefan Zweig „Sternstunden der Menschheit“

Händel: Messiah (Teil 4)
Recitativo (Altus): „Behold, a Virgin shall conceive“
Air (Altus) and Chorus: „O thou that tellest good tidings“
in Georg Friedrich Händel: Messiah
CV 55.056/00

Händel: Messiah (Teil 5)
Accompagnato (Bass): „For behold, darkness shall cover“
Air (Bass): „The people that walked in darkness“
Chorus: „For unto us a child is born“
in Georg Friedrich Händel: Messiah
CV 55.056/00

Gemeindelied
Tochter Zion, freue dich (EG 13, GL 228)
ad lib. strophischer Wechsel zwischen Chor/Orchester und Gemeinde/Orgel
Orgelnachspiel
ad lib: Improvisation oder Alexandre Guilmant Paraphrase sur un chœur de Judas Macchabée op. 90, Nr. 16.







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