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Banner 300 Bach Matthäus Passion

300 Jahre Matthäus-Passion von J. S. Bach

Ein zeitloses Meisterwerk

16.10.2026/0 Kommentare/in Persönlichkeiten, Chorwerke im Spotlight /von Meinrad Walter

Es lohnt sich immer, nicht nur „runde Geburtstage“ einzelner Komponisten zu feiern, sondern auch prominente Werkjubiläen bei der Konzertplanung zu berücksichtigen. Bei Johann Sebastian Bach jähren sich aktuell die Erstaufführungen vieler seiner berühmtesten Werke zum 300 Mal – denn vor 300 Jahren stand der Komponist als frischgekürter und man darf vermuten hochmotivierter Thomaskantor am Beginn seiner wohl produktivsten Schaffensperiode. Meinrad Walter blickt auf die Matthäuspassion, deren Frühfassung wohl auf das Jahr 1727 datiert, im Spiegel ihrer Rezeptionsgeschichte. Denn das Werk faszinierte von Beginn an – und tut es bis heute!

Es gibt zu keinem anderen Werk der Musikgeschichte eine ähnliche Fülle an Kommentaren, mehr wohl als zu Mozarts „Zauberflöte“ oder zu Beethovens „Neunter“. Dies hängt damit zusammen, dass es seit der Mitte des 19. Jahrhunderts „kaum einen Großen der Kunst- und Geistesgeschichte“ gibt, „der nicht ‚sein‘ Erlebnis mit der Matthäus-Passion gehabt hätte“ (Martin Geck). So kann sich etwa Albert Schweitzer Jesu Einsetzungsworte beim letzten Abendmahl „in keinem andern Rhythmus mehr vorstellen“, als in jener hoheitlichen Deklamation, die Bach für den Bass als Vox Christi der Matthäus-Passion gefunden hat. Ähnlich denkt übrigens Bertolt Brecht. Nach Worten seines Freundes Hanns Eisler, der ihm die Passionen am Klavier vorspielte, hat er immer wieder „bewundert, wie großartig Bach Berichte komponieren konnte“.

Bach Matthäuspassion

Johann Sebastian Bach
Matthäus-Passion
CV 31.244/00

Lobeshymnen und pointierte Statements

Bachs Musik prägt die Hörenden wie die Spielenden und Singenden. Allen voran die jugendlichen Sängerinnen und Sänger der beiden Choräle „O Lamm Gottes unschuldig“ und „O Mensch, bewein dein Sünde groß“. Viele von ihnen denken vielleicht ähnlich wie Leo, Mark und Finn, die bei einem kleinen Radio-Interview – zwischen Anspielprobe und Konzert mit der Matthäus-Passion – zu Protokoll gaben: „Die Einsätze sind relativ schwierig, aber wenn das Freiburger Münster ganz voll ist, wird das bestimmt etwas ganz Besonderes“; und: „Es ist zwar Nerven fordernd, aber es macht halt Spaß.“

Aus der Perspektive nicht des Singens, sondern des Hörens erinnert sich der Regisseur Jürgen Flimm (geb. 1941) an prägende Erlebnisse. Flimm wollte sogar spontan mitsingen: „Wie gerne hätte ich da oben gestanden, im Knabenchor, der alsbald, als der mächtige Chor mit dem langsamen Klagelied ‚Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen!‘ einsetzte, seine Mäuler wie junge Spatzen aufsperrte und mit vielen hohen Tönen ‚O Lamm Gottes unschuldig‘ sang.“ Beim Weinen des Petrus überkommt ihn das Weinen, sodass die Großmutter ihn beruhigen will: „Das sei doch nur eine Arie, flüsterte sie ihm tröstend ins Ohr. Ihrem Sohn schrieb sie später, wie der Kleine sich aufgeregt habe. Bei der Arie „Erbarme dich“, schrieb Kurt zurück, regen wir uns Gott sei Dank alle auf. Das ist eben Bach.“

Der Pianist und Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil erinnert sich ähnlich an die kindlichen Eindrücke vom portalhaften Eingangschor „Kommt, ihr Töchter“, wenn er schreibt: „Ich wusste nicht, um welche Töchter es sich handeln möchte, und ich begriff erst recht nicht, wie diese Töchter es fertigbringen sollten, die Geduld zu sehen (Sehet – was? seht die Geduld …), doch das alles störte mich nicht. Denn: Die Musik „schob einen vor Himmel und Hölle“.

Elke Axmacher
„Aus Liebe will mein Heyland sterben“
CV 35.951/00

Kritik am Meisterwerk?

Friedrich Nietzsche hat im Jahr 1870 mehrere Aufführungen in Basel gehört. Sein vielzitiertes Fazit: „Wer das Christentum völlig verlernt hat, der hört es hier wirklich wie ein Evangelium.“ Wer aber konnte es, wenige Jahrzehnte früher, beim Konzert mit den „77 Chören im Lento und Adagio“ einfach nicht mehr aushalten? Das war Clara Schumann geb. Wieck am 9. März 1837. Zum Glück stehen die Tempi, die sie so harsch kritisiert, nicht in Bachs Partitur. Ähnliches gilt für die wohl bekannteste theologische Kritik. Karl Barth meinte dezidiert, dass, was Bach komponiert hat, „bestimmt nicht die Passion Jesu Christi ist“, weil darin „Jesus der Sieger völlig stumm bleibt“. Später erst hat er die Bach’sche Johannes-Passion kennengelernt – und sein zugespitztes Urteil deutlich relativiert.

Den schwersten Stand haben seit der Bach-Renaissance im 19. Jahrhundert die betrachtenden Sätze mit barocker Dichtung. Schon Carl Friedrich Zelter schreibt im Zusammenhang der Berliner Wiederaufführung unter Felix Mendelssohn Bartholdy an seinen Altersfreund Goethe von den „verruchten deutschen Kirchentexten, welche dem polemischen Ernste der Reformation unterliegen, indem sie durch einen dicken Glaubensqualm den Unglauben aufstören, den niemand verlangt“. Doch dieser Qualm hat sich gelichtet, nicht zuletzt dank der „Theologischen Bachforschung“, die vieles stimmig erklären konnte. Ein Standardwerk liegt bei Carus vor: Elke Axmacher, „Aus Liebe will mein Heyland sterben. Untersuchungen zum Wandel des Passionsverständnisses im frühen 18. Jahrhundert.“

Nachdenkliche Trauerarbeit

Dass Bachs Musik „uns erreicht, bewegt, bereichert und zum Nachdenken zwingt“, das war Helmuth Rillings Credo. Der Musikwissenschaftler Martin Geck wiederum hat den Aspekt der „musikalischen Trauerarbeit“ mit der Matthäus-Passion in das vielstimmige Rezeptionskonzert eingebracht. Der Regisseur Peter Sellars spricht von einem „überwältigenden Exerzitium des Mitleidens“, wohingegen Bruno Walter neben der musikalischen Schönheit die „apostolische Erfülltheit“ betont, ohne die das Meisterwerk nicht entstanden wäre.

Insgesamt ergänzen sich die Stimmen der Rezeption über die Epochen hinweg eher zu einem Gesamtbild, als dass sich gegenseitig in Frage stellen würden. Und dem Philosophen Hans Blumenberg dürfen wir zustimmen, wenn er in seinem großen Essay zur Matthäus-Passion schreibt: „Das Hören höret nimmer auf.“ Auch das Werkjubiläum 2027 wird neue rationale, emotionale und spirituelle Impulse des unerschöpflichen Werkes eröffnen.

Johann Sebastian Bach Matthäus-Passion Marquard Walter

Reiner Marquard/Meinrad Walter
„Johann Sebastian Bach – Matthäus-Passion“
CV 24.172/00

© Erzdiozöse Freiburg Info Info

Prof. Dr. Meinrad Walter ist ein ausgewiesener Kenner im interdisziplinären Gespräch zwischen Musik und Theologie. Er promovierte über Johann Sebastian Bachs geistliche Vokalmusik und war anschließend in Wissenschaft, Journalismus, Musikmanagement und Verlagswesen tätig.

Als Einstimmung eignet sich die Lektüre bisheriger Stimmen zur Matthäus-Passion. Sie sind – mit einer großartigen Einspielung der Musik, einem Statement des Dirigenten Frieder Bernius, einem theologischen Essay von Reiner Marquard und einer Werkeinführung von Meinrad Walter – gesammelt in diesem Carus-Buch: Reiner Marquard und Meinrad Walter: „Johann Sebastian Bach – Matthäus-Passion. Wort//Werk//Wirkung.“

Alles zur Matthäus-Passion

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Noten der Matthäus-Passion BWV 244

Bach Matthäuspassion Jede Zeit hört und deutet Bach neu, und jede Zeit liest auch die Quellen neu und mit anderen Augen. Klaus Hofmann, der langjährige Leiter des Johann-Sebastian-Bach-Instituts Göttingen und Redakteur der Neuen Bach-Ausgabe, hat die Matthäus-Passion bei Carus herausgegeben. Er stellt die Quellenphilologie ganz in den Dienst der musikalischen Praxis und der detaillierten Ermittlung der Intentionen Bachs.

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Bearbeitung für ein Orchester

Bach Matthäus-Passion Bearbeitung mit einem Orchester (arr. D. Sourrisse)

Dominique Sourisse hat für die vorliegende Bearbeitung die beiden Orchester zusammengelegt und versucht, mit individuellen Lösungen den doppelchörigen Effekt zu erhalten, ohne dabei in Schematismus zu verfallen. Mit beigegebenen Alternativlösungen zu einigen Sätzen ist sogar eine Aufführung mit einfach besetztem Streicherapparat möglich. Sämtliche Vokalpartien (Soli und Chöre) bleiben von der Bearbeitung unberührt, sodass die Klavierauszüge und Chorpartituren der Originalfassung verwendet werden können.

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carus music, the Choir Coach

carus music Matthäus-Passion

Ob zu Hause am Tablet oder PC oder unterwegs am Smartphone: Mit carus music, the Choir Coach, haben Sie Ihre Chorwerke immer zum Üben dabei! Auf allen Endgeräten können Sie mit der Chor-App carus music Ihre Notenausgabe zusammen mit einer erstklassigen Einspielung hören und mit einem Coach dabei leicht Ihre eigene Chorstimme üben. Mit carus music ist Ihre Konzert-Vorbereitung einfach, effizient und mit Spaß zu meistern!

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CD mit Frieder Bernius

Bach Matthäus-Passion CD-Aufnahme

Mit der Matthäus-Passion schuf Johann Sebastian Bach eines der bedeutendsten Werke protestantischer Kirchenmusik. Nun hat sich Frieder Bernius zusammen mit dem Kammerchor Stuttgart und dem Barockorchester Stuttgart dieses Werks angenommen. Die vielfach preisgekrönten Experten für historisch informierte Aufführungspraxis meistern mit filigranem Klang die monumentale Komposition, die mit unvergleichlich musikalischer, emotionaler und geistlicher Intensität die Leidensgeschichte Christi nachzeichnet.

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Buch in der Reihe Wort//Werk//Wirkung

Johann Sebastian Bach Matthäus-Passion Marquard WalterJahr für Jahr wird die Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach in den Kirchen und Konzerthäusern dieser Welt aufgeführt. Dieser Band der Reihe Wort//Werk//Wirkung nähert sich dem Werk von mehreren Seiten. Dem Buch liegt die hochkarätige Einspielung der Matthäus-Passion mit Frieder Bernius und dem Kammerchor Stuttgart als mp3-CD bei.

Die Reihe Wort//Werk//Wirkung ist ein Kooperationsprojekt des Carus-Verlags Stuttgart und der Deutschen ­Bibelgesellschaft. Herausgeber der Reihe ist Meinrad Walter.

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