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Eine „Friedens-Komposition“ den Bürgerlichen gewidmet

Iris Pfeiffers Lieblingsstück ist „Gib unsern Fürsten SWV 373“.

01.08.2019/0 Kommentare/in Lieblingsstücke /von Iris Pfeiffer

Zu einem wahren „Lieblings-Schütz“ wurde unserer Kollegin Iris Pfeiffer die fünfstimmige Motette „Gib unsern Fürsten“ SWV 373 (als secunda pars verbunden mit der Motette „Verleih uns Frieden genädiglich“ SWV 372), eine Friedenskomposition aus der Geistlichen Chor-Music, die Heinrich Schütz 1648 veröffentlichte.

Gib unsern Fürsten und aller Obrigkeit Fried und gut Regiment, daß wir unter ihnen ein geruhig und stilles Leben führen mögen in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit. Amen.
Johann Walter, 1566, nach 1. Tim. 2,2

Dreißig lange Jahre wütete der Krieg in Europa und richtete in vielen Gegenden, auch in Sachsen, riesige Schäden an. Heinrich Schütz, Kapellmeister am Dresdner Hof, komponierte in den Kriegsjahren viele klangprächtige Werke anlässlich von Besuchen von politischem Gewicht oder zu Dankfesten (zu hören in der letzten Aufnahme der Schütz-Gesamteinspielung: Psalmen & Friedensmusiken, Vol. 20). Seine ganze Kunst des mehrchörigen Komponierens bot Schütz in diesen repräsentativen, „politischen“ Werken auf – in ihrer prachtvollen Anlage wird hörbar, welch kostbares Gut der Frieden war.

Zu einem „Lieblings-Schütz“ ist für mich aber eine ganz andersartige „Friedens-Komposition“ geworden: die fünfstimmige Motette Gib unsern Fürsten SWV 373 (als secunda pars verbunden mit der Motette Verleih uns Frieden genädiglich SWV 372). Sie stammt aus der Geistlichen Chor-Music, einer Sammlung von 29 Motetten, welche Schütz im Friedensjahr 1648 veröffentlichte. Auf den 21. April 1648 datiert der Druck seines Opus 11; im Oktober desselben Jahres wurden in Münster nach langjährigen Verhandlungen endlich die Friedensverträge unterzeichnet. Der später als „Westfälischer Friede“ bezeichnete Friedensschluss war über viele Jahrzehnte ein Garant für die Stabilität in Europa.

Mit der Geistlichen Chor-Music widmete Schütz erstmals eine Sammlung nicht einem Adligen, sondern vielmehr einer bürgerlichen Gruppe, nämlich dem Bürgermeister und Ratsherren der Stadt Leipzig sowie dem von ihm hochgeschätzten Thomanerchor. Schütz wendet sich mit dieser Musik explizit hin zu den einfachen Menschen, die all das Grauen des Krieges – wie er selbst – erlebt haben. Die Motette SWV 373 ist denn auch alles andere als eine repräsentative Komposition, vielmehr ein Musik-gewordenes stilles, inniges Bitten: dass den Mächtigen „ein gut Regiment“ gegeben sei, damit wir selbst unser Leben in Ruhe führen dürfen. Die Motetten der Geistlichen Chor-Music weisen – gerade aufgrund ihrer Beschränkung in Besetzung und Form – ein Höchstmaß an Intensität im Ausdruck auf. Die Musik schmiegt sich hier aufs engste an die Worte an, wie etwa beim flehentlichen „Gib“ des Anfangs, der Entschleunigung, wenn es um das „geruhig und stille Leben“ geht oder den Achtelaufstiegen auf „führen“, welche die Richtung unseres Strebens zeigen.

Für mich ist das eine besondere Kostbarkeit des „musicus poeticus“: zwar klein in seinen äußeren Dimensionen, aber eine ausdrucksstarke Musik, welche seit ihrer Komposition vor über 350 Jahren nichts an Kraft verloren hat; Musik, die auch in unserer wirren weltpolitischen Lage aktuell ist wie nie; Musik, welche man den Despoten unserer Zeit hinter die Ohren schreiben möchte.

Iris Pfeiffer, Musikwissenschaftlerin und seit 2003 bei Carus, ist Leiterin des Bereichs „Business Development & Marketing“.

 
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Heinrich Schütz: Gib unsern Fürsten

mit singbarer englischer Übersetzung

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Schütz: Geistliche Chor-Musik 1648. Complete recording, Vol. 1 (Rademann)

Wenn es darum geht, die kompositorische Leistung von Heinrich Schütz zu würdigen, steht seine Kunst im Umgang mit Text und Sprache an erster Stelle. Auch die Geistliche Chor-Music, eines seiner zentralen Werke aus dem Jahr 1648, kennzeichnet die sorgfältig durchdachte musikalische Umsetzung von Textinhalten.

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Stuttgarter Schütz-Ausgabe: Geistliche Chor-Musik 1648

Wenn es darum geht, die kompositorische Leistung von Heinrich Schütz zu würdigen, steht seine Kunst im Umgang mit Text und Sprache an erster Stelle. Auch die "Geistliche Chor-Music 1648", eine Sammlung von 29 Motetten für fünf- bis siebenstimmigen Chor und eines von Schütz' zentralen Werken, zeigt eine sorgfältig durchdachte musikalische Umsetzung von Textinhalten.

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