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Monteverdis Marienvesper „light“

Alternativen für eine Aufführung mit weniger Aufwand

 

18.08.2025/0 Kommentare/in Chorwerke im Spotlight /von Uwe Wolf

Monteverdis „Marienvesper“ gehört – wie nur wenige Werke dieser Zeit – zum „Kanon“ der Stücke, die fast jeder Chor einmal singen möchte. Doch die Hürden sind hoch! Das Stück ist vielstimmig, anspruchsvoll – und man braucht neben vielen Solist*innen ein relativ großes Orchester mit einigen immer noch eher seltenen (und damit teuren) Instrumenten. Aber Monteverdis Vesper ist auch mit deutlich weniger Aufwand aufführbar. Ja, Monteverdi selbst hat bereits weniger aufwendige Alternativen vorgesehen. Carus-Cheflektor Uwe Wolf zeigt einige Möglichkeiten auf!

Continuo-Fassung

Die Idee, dass Monteverdi bereits eine Continuo-Fassung zu seiner Vesper von 1610 angelegt haben könnte, ist nicht neu. Schon das kleine Werkverzeichnis von Manfred Stattkus „SV“ führt eine Continuo-Fassung der Vesper eigens unter der Nummer SV 206a. Diese 2. Fassung leitet Stattkus aus den im Titel genannten, unterschiedlichen Aufführungsorten ab: „ad Sacella sive Principium Cubicula accomodata“, also etwa für „Kapellen oder fürstliche Gemächer geeignet“. Gestützt sieht er diese These durch die Tatsache, dass die Ritornelle im Dixit Dominus als „ad libitum“ gekennzeichnet sind und Magnificat im Druck von 1610 in zwei Fassungen enthalten ist: Neben dem farbenreich instrumentierten Magnificat mit 12 obligaten Instrumenten gibt es eine weitere Komposition nur mit Continuo (und mit nur sechs statt sieben Singstimmen). Ganz schlüssig ist Stattkus‘ Argumentation nicht (das zehnstimmige Nisi Dominus in fürstlichen Gemächern? Warum keine Varianten für Introitus, Sonata und Hymnus?). Monteverdi wird viel mehr die Praxis, in aller Regel nur Teile der Vesper zu musizieren, vor Augen gehabt haben; und Dixit und Magnificat (also die Stücke mit den Alternativen) wurden dabei besonders häufig musiziert.

Monteverdi Marienvesper Titelblatt
© Wikipedia Commons / Public Domain Info Info

Bassus Generalis:
Titelblatt (1610)

Monteverdi Porträt
© Wikipedia Commons / Public Domain Info Info

Claudio Monteverdi

Das hindert uns heute aber nicht daran, Monteverdis Ansatz auf die ganze Vesper auszudehnen:

1 Introitus Deus in adjutorium / Domine ad adjuvandum me festina kann entfallen oder als Falsobordone aufgeführt werden, ggf. mit Ritornellen der Orgel
2 – 10 Abfolge von Psalmen und kleinbesetzten Concerti Dixit ohne Ritornelle, sonst kann alles bleiben
11 Sonata sopra Santa Maria muss entfallen (ohnehin kein liturg. Bestandteil einer Vesper). Ggf. Orgelstück stattdessen
12 Hymnus ohne Ritornelle (oder Orgelritornelle)
13 Magnificat
Magnificat a 6 statt Magnificat a 7

Welche Solist*innen sind nötig?

Die Psalmen und das Magnificat sind chorisch möglich, aber sehr anspruchsvoll. Will man virtuosere Partien solistische besetzen, braucht man 2 Soprane und 2 Tenöre, idealerweise auch 2 Bässe. Mit dieser Solobesetzung lassen sich auch die Concerti – fast – bewältigen; nur in Duo Seraphim (Nr. 7) wird ein dritter Tenor benötigt, ein Part, den aber auch ein hoher Bass übernehmen kann. Die Concerti gehören liturgisch nicht zur Vesper, könnten also auch entfallen. Aber sie sind fester Bestandteil von Monteverdis Konzeption des Druckes, alle stilistischen Möglichkeiten zu entfalten. Es sind atemberaubende Höhepunkte und sie bieten dem Chor Pausen zur Entspannung.

Doch mit Instrumenten?

Der Verzicht auf die obligaten Instrumente muss nicht heißen, dass man nicht doch Instrumente colla parte hinzunimmt, um die Musik farbiger zu gestalten und den Chor zu stützen. Dafür muss man nicht auf hochspezialisierte Musiker*innen zugreifen (wie man sie für Introitus, Sonata und das siebenstimmige Magnificat einfach braucht), sondern kann z.B. ein Streicher-Ensemble nehmen.

https://blog.carus-verlag.com/wp-content/uploads/2025/08/8339400.01s.t1_013.mp3

Magnificat anima mea

https://blog.carus-verlag.com/wp-content/uploads/2025/08/8339400.01s.t1_007.mp3

Duo Seraphim

CD Monteverdi Marienvesper

Aufnahme mit amarcord,
Lautten Compagney Berlin
und Wolfgang Katschner
Carus 83.394/00

Claudio Monteverdi
Vespro della Beata Vergine
Marienvesper SV 206
Carus 27.801/00

Uwe Wolf
© Sven Cichowicz Info Info

Dr. Uwe Wolf ist als Musikwissenschaftler vor allem im 17. und 18. Jahrhundert zuhause. Seine Arbeitsschwerpunkte reichen von der Zeit Monteverdis und Schütz über Bach und die Generation der Bach-Söhne und -Schüler bis hin zur Wiener Klassik. Seit Oktober 2011 leitet er das Lektorat des Carus-Verlags. Zuvor war er über 20 Jahre in der Bach-Forschung tätig.

Hoch oder tief?

Immer wieder wird diskutiert, ob die Sätze in „hohen Schlüsseln“, Lauda Jerusalem (Nr. 10) und die beiden Magnificat, nicht eine Quarte tiefer aufzuführen seien. Es spricht vieles dagegen, was hier in Kürze nicht umfassend erörtert werden kann. Trotzdem kann es bei einer Aufführung a cappella hilfreich sein, das Lauda Jerusalem in einer transponierten Fassung zu musizieren. Dann sind allerdings auch Männer in den beiden Altstimmen erforderlich. Sind Colla-Parte- Instrumente dabei, wäre es musikalisch ansprechender, diese zur Stützung der hohen Stellen hinzu zu nehmen oder diese teilweise auch alleine übernehmen zu lassen; eine im 17. Jh. durchaus gängige Praxis. Bei beiden Magnificat sprechen die Umfänge der Singstimmen klar gegen eine Transposition. Zwar gibt es hohe Töne (daher die „hohen“ Schlüssel), aber transponiert liegen vor allem Soprane und Tenöre in so ungünstigen Lagen, dass sie sehr forcieren müssen, um gut gehört zu werden; selbst im historischen, hohen Stimmton, umso mehr aber bei a1=440 Hz. Das Magnificat sollte daher auf keinen Fall transponiert aufgeführt werden.

Weglassen? Immer eine Alternative!

Die veröffentlichte Form der „Marienvesper“ folgt einem programmatischen Konzept, nicht aber einer konkreten Aufführungssituation (Vesper). Der Druck von 1610 bietet ein Kaleidoskop kirchenmusikalischen Komponierens nach 1600. Das kann man so wie überliefert in ein atemberaubendes Konzert verwandeln. Aber es ist ebenso möglich, aus Teilen etwas Neues zu gestalten: Jedes Stück für sich ist großartig. Eine Gesamtaufführung ist nur eine Möglichkeit.

Was bietet Carus dafür?

  • Marienvesper: Partitur (27.801), Klavierauszug (27.801/03), Chorpartitur (27.801/05), Stimmenset (27.801/19), Orgelstimme (27.801/49).
  • Auch alle Chorpartien sind in den Stimmen des Stimmensatzes (27.801/19) enthalten (oftmals mit Alternativen für verschiedene Instrumente/Schlüssel).
  • Transponierte Fassung des Lauda: Partitur (27.801/50), Klavierauszug (27.801/53), Chorpartitur (27.801/55), Stimmenset colla parte (27.801/58).
  • Magnificat a sei voci: Partitur (27.205), Chorpartitur (27.205/05). Für dieses Magnificat sind keine Colla-Parte-Stimmen verfügbar, man kann sich mit der Chorpartitur bei den kurzen Sätzen einigermaßen behelfen, will man die Tutti-Sätze oder den einen oder anderen cantus firmus verstärken.

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Biografie

Monteverdi Biografie Cover

Silke Leopold erzählt den Werdegang Monteverdis von den Anfängen in Cremona über seine Zeit am Hof in Mantua bis zu seiner Domkapellmeisterschaft am Dom von San Marco in Venedig. Und obschon viele Kompositionen verloren und biographische Zeugnisse nur spärlich vorhanden sind, entsteht ein faszinierendes biografisches Panorama, das immer wieder verknüpft wird mit der Musik- und Kulturgeschichte und den politischen Ereignissen seiner Zeit.

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Madrigali e Motetti. Chorbuch Monteverdi

Monteverdi Chorbuch Cover

Das Chorbuch stellt 20 Kompositionen für 4-6stimmigen gemischten Chor und Basso continuo zusammen. Ein Teil widmet sich den weltlichen Madrigalen, ein anderer den geistlichen Motetten. Hinzu kommen einige berühmte Madrigale, die schon bald nach ihrer Veröffentlichung von einem Zeitgenossen Monteverdis mit lateinischen geistlichen Texten versehen wurden und im Chorbuch mit beiden Textfassungen wiedergegeben werden.

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Missa in illo tempore

Missa in illo tempore Monteverdi Cover

Monteverdis sechsstimmige Missa in illo tempore bildet gemeinsam mit der Marienvesper eine Sammlung von Kirchenmusik, die im Jahre 1610 in Venedig gedruckt und Papst Paul V. gewidmet ist. Die Missa ist als damals bereits überkommene Parodiemesse über Themen aus einer Motette Gomberts bewusst im stile antico komponiert. Begleitet wird der Vokalsatz von einem als basso seguente geführten Generalbass.

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