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„imposant, aber auch bescheiden“

María Guinand über Bruckners e-Moll-Messe

01.06.2022/0 Kommentare/in Persönlichkeiten, Chorwerke im Spotlight /von María Guinand

50 Jahre Carus – 50 Jahre Leidenschaft für die Chormusik, die wir mit Ihnen teilen. Im Carus-Jubiläumsjahr stellen prominente Chorleiter*innen jeden Monat im CARUS Blog ihr persönliches Highlight aus fünf Jahrhunderten Chormusik vor.

Die e-Moll-Messe (WAB 27) von Anton Bruckner hat mich von der ersten Aufführung an, die ich vor vielen Jahren hörte, in ihren Bann gezogen und fasziniert, denn sie ist intim, aber auch dramatisch, sie ist dicht, aber gleichzeitig zugänglich, sie ist imposant, aber auch bescheiden. Ich schließe mich der Feststellung von Jean Gallois an, dass es sich um ein „bemerkenswertes Monument handelt, das neue Tendenzen zu einer anderen Musikästhetik ankündigt“ (Jean Gallois: Bruckner. Ed. Seuil. Solfèges, Paris, 1971).

Die 1866 komponierte Messe entstand im Auftrag des Linzer Bischofs Franz-Josef Rudigier zur Einweihung der Votivkapelle des neuen Doms. Die Messe wurde dann in ihrer ersten Fassung unter der Leitung des Komponisten und unter Mitwirkung der Chöre Liedertafel Frohsinn, des Sängerbundes und des Linzer Musikvereins uraufgeführt. Bruckner überarbeitete diese Messe mehrmals (wie die meisten seiner Werke), und erst 1885 wurde die Messe in ihrer endgültigen Fassung anlässlich der Hundertjahrfeier der Diözese Linz aufgeführt.

Die e-Moll-Messe ist mit einem achtstimmigen Chor und einem Instrumentalensemble aus Holz- und Blechbläsern (2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten und 3 Posaunen) besetzt, eine Besetzung, die insbesondere deshalb gewählt wurde, weil die Messe im Freien aufgeführt werden sollte. Besonders bemerkenswert ist das Fehlen von Solisten*innen und Orgel. Im Katalog des Carus-Verlags gibt es eine ausgezeichnete Kammermusikfassung für Chor und Orgel, transkribiert von Klaus Rothaupt.

Ich denke, dass der Klang von Bruckners geistlicher Musik – besonders in dieser monumentalen Messe – aufgrund seiner individuellen und dramatischen Art, die liturgischen Texte zu interpretieren und somit viele verschiedene Atmosphären durch kontrastierende Dynamik und Artikulationen zu schaffen, einzigartig ist. Stilistisch taucht Bruckner in die polyphone und kontrapunktische Sprache der Renaissance und in die Strenge des gregorianischen Chorals ein, die er in einer natürlichen und einzigartigen Harmonik vereint, die an Schuberts enharmonische Modulationen und Wagners chromatische Progressionen erinnert, in denen das tonale Zentrum sich ständig verschiebt. Der Komponist zeigt verschiedene Kompositionsstile und beweist seine profunde Kenntnis des Chorinstruments sowie der Orchesterpalette. Der Chor ist der Hauptakteur, und das Instrumentalensemble fügt den Harmonien Farbe hinzu, oder scheint einen neuen Einsatz oder eine neue Artikulation zu „unterstreichen“ oder ein Wort hervorzuheben. Der große Stimmumfang, die chromatische Sprache und die komplexe Polyphonie erfordern einen erfahrenen Chor und ein sensibles Dirigat, das in der Lage ist, all diese Elemente erfolgreich zu kombinieren und eine ausgewogene und emotionale Interpretation zu schaffen.

Bruckners e-Moll-Messe ist ein Meisterwerk der Kirchenmusik aller Zeiten, in dem er das liturgische Drama der Messe auf sehr persönliche Weise zum Ausdruck bringt und ein strahlendes und transzendentes Musikerlebnis schafft. Dieses Werk muss zweifellos zum Repertoire eines jeden Chorleiters und einer jeden Chorleiterin gehören.

e-Moll-Messe

Anton Bruckner: Messe in e-Moll
Carus 27.093

María Guinand, Chor- und Orchesterdirigentin, Universitätsprofessorin, Pädagogin und Leiterin von Chorprojekten, ist derzeit künstlerische Leiterin der Stiftung Schola Cantorum von Venezuela und des Chors der Polarstiftung. In ihrer langjährigen Laufbahn war sie außerordentliche Professorin an der Universität Simón Bolívar (1976–2018) (Venezuela); Koordinatorin der chorsinfonischen Projekte von El Sistema (1980–2012) und künstlerische Leiterin von „Música para Crecer“ (2003–2017). Darüber hinaus war sie Präsidentin (federführend), Vizepräsidentin und Beraterin für Lateinamerika der Internationalen Föderation für Chormusik (1996–2014 und seit 2019) und Mitglied des von der UNESCO gegründeten Internationalen Musikrates (2002–2005).

Anton Bruckner

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Messe e-Moll

1866 komponierte Anton Bruckner seine feierliche e-Moll-Messe, die er in den Jahren 1876–1882 noch einmal einer umfangreichen Revision unterzog. Unter den Messen Bruckners und auch seiner Zeitgenossen sticht das für eine Aufführung im Freien komponierte Werk schon aufgrund seiner Besetzung heraus. In ihr wird auf Streicher und Orgel zugunsten einer Begleitung allein durch „Harmoniemusik“ (Bläser) verzichtet.

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Bruckner für Gottesdienst und Konzert

34 kleinere Kirchenwerke (lateinisch oder deutsch), meist Coro SATB. „Neben den bekannten Motetten (Locus iste, Ave Maria usw.) enthält der Band echte Raritäten, die sonst schwer zu bekommen sind – wenn überhaupt … Insgesamt sind es 34 Titel, die hier vereinigt sind. Die empfehlenswerteste Ausgabe dieses Jahres!“ (Schwäbische Sängerzeitung 10/1996).
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Te Deum

Anton Bruckners Te Deum – ein Höhepunkt im Schaffen des Komponisten und eines der bedeutendsten Werke der geistlichen Chorliteratur des 19. Jahrhunderts – wird hier in einer modernen wissenschaftlichen Ausgabe neu erschlossen. Die Carus-Edition zieht die beiden als maßgeblich anzusehenden Quellen, Partiturautograph und Erstdruck, in sorgfältiger Abwägung der Lesarten heran. So wird ein Notentext geboten, der größtmögliche Nähe zur Intention des Komponisten beanspruchen kann.

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Requiem d-Moll

Bereits als 24-Jähriger komponierte Anton Bruckner, noch ganz im Zeichen der Wiener Klassik, sein Requiem in d-Moll im Andenken an einen väterlichen Freund und Förderer. Er schätzte das Werk, das er 1894 mit 70 Jahren geringfügig überarbeitete, zeitlebens sehr, auch wenn es die Vertonung nicht schaffte, sich im Konzertbetrieb gegen die Requiemvertonungen z.B. von Mozart oder Verdi zu behaupten.

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Anton Bruckner: Messe in e, Josef Gabriel Rheinberger: Requiem in Es op. 84 (Musica Sacra VIII)

In seiner bekannten „Messe in e“ verbindet Anton Bruckner die Tradition des alten Palestrina-Vokalstils mit den musikalischen Mitteln seiner Zeit. Neben dem herben Klangbild und den ausgeprägten dynamischen Kontrasten hebt sich diese Messe vor allem durch die außergewöhnliche Instrumentierung mit einer reinen Bläserbesetzung von den anderen Orchestermessen Bruckners ab.

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Locus iste

Das berühmte Graduale für das Kirchweihfest, das 1869 für die Einweihung der Votivkapelle des Linzer Doms entstanden ist. Ein tolles Stück, um in einen gemeinsamen Chorklang einzutauchen – wenn vorher alle ihre Töne geübt haben.

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Magnificat

Wie klingt der frühe Bruckner? Das Magnificat in B-Dur wirft ein ganz unerwartetes Licht auf den jungen Komponisten an der Schwelle zu seinen großen Kirchenwerken.

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