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Eine Rarität der Romantik

Eberhard von Oppens Lieblingsstück ist das (zu Unrecht) wenig bekannte „Oboenkonzert“ Hugo Schunckes.

01.02.2017/1 Kommentar/in Lieblingsstücke /von Eberhard von Oppen

Wer „Carus“ hört oder liest, denkt zunächst an Chormusik – geistlich oder auch weltlich. Dann vielleicht an Orgelmusik oder auch an das LIEDERPROJEKT. Doch wer vermutet inmitten des Verlagsprogramms ein veritables großes Instrumentalkonzert der Romantik? Eberhard von Oppen stellt Ihnen sein Lieblingsstück vor!

Wer „Carus“ hört oder liest, denkt vermutlich zunächst an Chormusik – geistlich oder auch weltlich. Dann vielleicht an Orgelmusik oder auch an das erstaunlich resonanzreiche Liederprojekt. Doch wer vermutet inmitten des Verlagsprogramms ein veritables großes Instrumentalkonzert der Romantik? Eine Rarität zugleich auch in anderer Hinsicht: Im 19. Jahrhundert eines der ganz wenigen Konzerte für Oboe und Orchester, und dann der Name des Komponisten: Mal ehrlich – wer kennt Hugo Schuncke?  Dabei zeigten sich, nach der Bach-Familie, in der ebenfalls aus Thüringen stammenden Familie Schuncke wahrscheinlich die meisten musikalischen Talente – innerhalb von vier Generationen im 18. und 19. Jahrhundert waren es über 20 Berufsmusiker, vor allem Hornisten; am bekanntesten wurde der von Clara und Robert Schumann hoch geschätzte Ludwig Schuncke. Dessen Bruder war Hugo Schuncke (1823–1909), geboren und ausgebildet in Stuttgart, wo er mit 13 (!) Jahren erstmals solistisch als Geiger auftrat – mit dem Orchester der königlichen Hofkapelle, dem er dann, vor allem unter der Leitung von Josef Peter von Lindpaintner, ganze 54 Jahre als Violinist angehörte. Dort bekam er umfassende Anregungen aus der Musik und von Musikern seiner Zeit.

Seine erstaunliche Begabung („ein eminent musikalisches Talent“, vermerkt ein zeitgenössisches Musiklexikon) zeigte Schuncke auch als Komponist, und hier besonders eindrucksvoll in seinem 1846 uraufgeführten, später noch leicht überarbeiteten Oboenkonzert in a-moll: Formal durchaus der Tradition folgend, enthalten die drei Sätze doch manche romantische Eigenwilligkeit; so folgt auf den lyrischen Mittelsatz, mit einem wunderbar gesanglich schwingendem Thema, ein temperamentvoller Finalsatz mit dem Titel „Rondo a la Bolero“ im entsprechenden Rhythmus dieses spanischen Tanzes, den Schuncke wohl im Opernorchester kennenlernte (und den auch Weber in „Preziosa“ und im „Freischütz“ verwendete). Mehrere vorzügliche Aufführungen des Schüler-Symphonie-Orchesters Stuttgart im Herbst 2016 bewiesen, dass das Konzert (vielleicht mit professioneller Solistin oder Solisten) durchaus auch von einem guten Laien-Sinfonieorchester zu bewältigen ist, etwa als reizvoller instrumentaler Mittelteil zwischen zwei oratorisch besetzten Chorwerken – wenn also das Orchester sowieso da ist…

Die verdienstvolle Edition dieser „edlen, gediegenen Arbeit“ von Hugo Schuncke (so eine Rezension von 1863) wird im Carus-Programm ergänzt durch ein vokales Gegenstück – ein expressives „Vater unser“ (aus dem Jahr 1892 bzw. 1904) für fünfstimmigen Chor a cappella mit interessanter, chromatisch durchsetzter Harmonik und raffiniert angelegter, textorientierter Steigerung. Auch hier ist also ausgesprochen Lohnendes zu entdecken.

Eberhard von Oppen ist seit 1986 im Verlag und heute meist am Kundentelefon (kennt daher mehr Stimmen als Gesichter). Er braucht das Chorsingen zum Wohlfühlen und als praktische Ergänzung zur Arbeit im Verlag.

Hugo Schuncke

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Oboenkonzert

Ein Oboenkonzert der Romantik? Diese an Oboisten oft gestellt Frage muss wegen der wenigen Sololiteratur meistens mit einem verlegenen Hinweis auf mehr oder weniger kleine Konzertstücke und Variationen beantwortet werden. Eine Lücke schließt das a-Moll-Konzert des Stuttgarter Hofmusikers Hugo Schuncke (1845, Überarbeitung 1862). Die drei Sätze des Werkes: ein virtuoser Allegro-Kopfsatz, ein pastorales Andante und ein rhythmisch packender Bolero in Rondoform.

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Vater unser

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