• DE
  • EN
  • Shop
  • Über den Blog
  • Kontakt
  • Newsletter
Carus Verlag
  • Shop
  • Menü Menü
  • Kategorien
    • Chorpraxis
    • Persönlichkeiten
    • Chorwerke im Spotlight
    • Musikgeschichten
    • Singen mit Kindern & Jugendlichen
    • Lieblingsstücke
  • Suche
  • Performances
Blogbanner Loewe

Carl Loewes Passions-Oratorium

Das vergessene Meisterwerk

 

01.04.2025/0 Kommentare/in Chorwerke im Spotlight, Musikgeschichten /von Claudia Seidl

Carl Loewes Das Sühnopfer des neuen Bundes zählt zu den verborgenen Schätzen der Passionsmusik. Mit einer kammermusikalischen Besetzung bringt das Oratorium das Leiden und Sterben Jesu eindrucksvoll zum Klingen.

Der historische Kontext

Johann Carl Gottfried Loewe (1796–1869) wirkte über vier Jahrzehnte als Kantor an der Hauptkirche St. Jacobi in Stettin. Heute ist er vor allem als Komponist von Balladen bekannt. In seinen Oratorien verschmilzt der Balladenmeister mit dem Kirchenmusiker: Loewe komponierte mehrere Oratorien, die sich durch hohe musikalische Ausdruckskraft und eine prägnante Textvertonung auszeichnen.

Dies entsprach dem Zeitgeist der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als das Oratorium eine neue Blütezeit erlebte. Die sogenannte „Bach-Renaissance“, die mit Mendelssohns Wiederaufführung der Matthäus-Passion 1829 begann, führte dazu, dass sich viele Komponisten wieder verstärkt mit geistlicher Musik der Vergangenheit auseinandersetzten. Werke wie Mendelssohns Paulus oder Elias fanden große Verbreitung und beeinflussten das Schaffen vieler Komponisten. In diesem Kontext verwundert es nicht, dass auch Carl Loewe mit insgesamt 18 Oratorien zur Wiederbelebung dieser musikalischen Gattung beitrug.

Sein vermutlich 1847 komponiertes Oratorium Das Sühnopfer des neuen Bundes fügt sich nahtlos in die kirchenmusikalischen Strömungen seiner Zeit ein. Es handelt sich um ein knapp zweistündiges Passionsoratorium für Solist*innen (Sopran, Alt, zwei Tenöre, zwei Bässe), doppelchörigen Chor (SSAATTBB) und Kammerorchester (zwei Violinen, Viola, Violoncello, Kontrabass und Pauken).

Struktur und musikalische Charakteristika

Das Libretto des Oratoriums stammt von Wilhelm Telschow und basiert auf den Evangelien der Lutherbibel, insbesondere auf dem Johannes-Evangelium. Es enthält sowohl direkte Bibelzitate als auch poetische Erweiterungen, die das Geschehen noch erlebbarer machen. Loewe legte besonderen Wert auf die Verständlichkeit des Textes.

Das Oratorium ist in drei große Teile gegliedert:

  • Erster Teil: Die Einleitung führt nach Bethanien zum Grab des Lazarus, wo das Wunder der Auferweckung geschieht. Es folgen die Salbung Jesu und die Einsetzung des heiligen Abendmahls in Jerusalem.
  • Zweiter Teil: Hier werden die Gefangennahme im Garten Gethsemane, der Prozess vor Kaiphas im hohenpriesterlichen Palast und die Verhandlung vor Pilatus geschildert.
  • Dritter Teil: Dieser Abschnitt beschreibt die Kreuztragung zur Schädelstätte, die Kreuzigung auf Golgatha und die Grablegung im Garten des Joseph zu Arimathia.

Carl Loewe vereint in diesem Oratorium – inspiriert von Bachs Passionen – verschiedene stilistische Elemente. Trotz der Orientierung an historischen Vorbildern hebt sich sein Werk durch die gelungene Verbindung traditioneller Einflüsse mit einer modernen Klangsprache ab.

Carl Loewe
© public domain (NYPL) Info Info

Carl Loewe

Statue Loewe
© public domain Info Info

Carl-Loewe-Denkmal
vor der Jacobikirche in Stettin
(1898 errichtet, 1942 zerstört)

Coverbild Loewe

Carl Loewe
Das Sühnopfer des neuen Bundes
Passions-Oratorium
Carus 23.002/50

Die Solopartien des Oratoriums sind so konzipiert, dass sie auch von geübten Laien gesungen werden können. Der Chor figuriert ähnlich wie bei Bach als Abbild der beteiligten Personengruppen. Die Choräle bieten dem Publikum sogar die Möglichkeit, aktiv in das Geschehen einzustimmen. Die bewusst schlicht gehaltene Instrumentierung verstärkt die emotionale Wirkung der dargestellten Figuren und Szenen. Die Melodien sind oft einfach, aber tief berührend. Besonders die Chorpassagen sind geschickt gestaltet: Sie treiben nicht nur die Handlung voran, sondern intensivieren auch die Emotionen der handelnden Figuren.

Ein weiteres hervorstechendes Merkmal des Oratoriums ist die Verwendung motivischer Verknüpfungen. So taucht etwa das „Abendmahlmotiv“ im ersten Teil mehrfach auf und weicht im weiteren Verlauf zugunsten der dramatischen Entwicklung , um der dramatischen Entwicklung mehr Raum zu geben. Der Wechsel zwischen Rezitativen, Arien, Ariosi und Chorpassagen sorgt für eine stilistische Vielfalt, die das Werk lebendig und spannend hält. Diese Mischung aus barocken, klassischen und romantischen Elementen gibt den dramatischen Szenen eine besonders eindringliche Tiefe.

Aufführungsgeschichte und Wiederentdeckung

Die Uraufführung von Das Sühnopfer des neuen Bundes wird für die Karfreitagsliturgie des Jahres 1848 in Stettin vermutet. Es gibt jedoch keine gesicherten Hinweise auf eine Aufführung zu Loewes Lebzeiten. 1894 tauchte der Klavierauszug auf und wurde vom renommierten Bach-Biografen Philipp Spitta untersucht. Um die Jahrhundertwende wurde das Oratorium dann recht erfolgreich. Heute ist das bewegende Oratorium selten zu hören.

Mit der Carus-Urtextausgabe wünschen wir dem Werk eine größere Beachtung. Besonders für Laienchöre und in der kammermusikalischen Instrumentierung bietet es eine wunderbare Gelegenheit, ein tiefgehendes und bewegendes Werk der Musikgeschichte wieder aufleben zu lassen.

(c) privat Info Info

Claudia Seidl (*1990) studierte Rechtswissenschaft, Philosophie und historische Musikwissenschaft. Nach Tätigkeiten in der musikwissenschaftlichen Forschung und im Carus-Verlag arbeitet sie seit 2018 freiberuflich als Musikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Lektorat und kritische Noteneditionen. Seit 2021 ist sie zudem Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Reger-Werkausgabe.

Weitere Passions-Oratorien (Empfehlungen)

Zurück Zurück Zurück Weiter Weiter Weiter

Carl Heinrich Graun: Der Tod Jesu

Graun Tod JesuSeit ihrer Berliner Uraufführung 1755 zählte Carl Heinrich Grauns „empfindsame“ Passionskantate Der Tod Jesu auf ein Libretto Karl Wilhelm Ramlers lange Zeit zu den meistaufgeführten Werken dieses Genres. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte sie sich im Repertoire zahlreicher Oratorienvereine und Singakademien (allen voran der Berliner Sing-Akademie) behaupten, oft gleichberechtigt neben Bachs oratorischen Passionen, die ihr in der 2. Hälfte des Jahrhunderts schließlich den Rang abliefen.

Zum Shop

Heinrich Schütz: Die Sieben Worte

Schütz

Heinrich Schütz’ Sieben Worte Jesu am Kreuz entzieht sich einer klaren Gattungszuordnung, lässt sich aber am ehesten den Historien zuordnen. Die sieben letzten Worte Jesu werden in einer Evangelienkompilation mit Streicherbegleitung und einer fünfstimmigen Choralbearbeitung („Da Jesus an dem Kreuze stund“) eindrucksvoll vertont. Die Nähe zum späteren Passionsoratorium trug im 19. Jahrhundert zur Wiederentdeckung von Schütz’ Werk bei.

Zum Shop

Alessandro Scarlatti: Johannespassion

Mit seiner um 1700 entstandene lateinischen Johannes-Passion folgt Scarlatti streng den für die katholische Liturgie seiner Zeit geforderten Notwendigkeiten: Der continuogestützte Evangelienbericht wird durchgehend in einer an Carissimi und Monteverdi erinnernden monodischen Rezitation vorgetragen. Nur bei den Christus-Worten, den knapp gehaltenen vierstimmigen Turbae sowie bei einigen signifikanten Textstellen wie der Judas-Szene und dem Tod Jesu tritt eine dezente Streicherbegleitung hinzu.

Zum Shop
0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie uns Ihren Kommentar!

Schreiben Sie einen Kommentar Antwort abbrechen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Unser Carus-Newsletter

Bleiben Sie mit unserem Carus-Newsletter informiert!

Anmelden

Aufführungskalender

  • Witold Dulski / Brigitte Antes
    Jetzt reicht’s! sprach Gott. Noah und die Sintflut. Kindermusical
    07.06.2026
  • Sebastian (Basti) Bund / Michael Sommer
    Der kleine Prinz. Singspiel nach Antoine de Saint-Exupéry
    07.06.2026
  • Peter Schindler
    Perpetuum mobile. Songs from the Codex Buranus
    07.06.2026
» Alle Aufführungen

Neueste Beiträge

  • Banner Koziej Mantra
    Zuzanna Koziej – Gāyatrī-Mantra03.06.2026 - 12:52
  • Banner Spohr Des Heilands letzte Stunden
    Louis Spohr: Des Heilands letzte Stunden05.03.2026 - 15:14
  • Elgar The Dream of Gerontius Banner
    Elgar best practice. The Dream of Gerontius18.02.2026 - 15:24
  • Beethoven 2027 Chor Banner
    Beethoven 2027 – Beethoven-Chöre21.01.2026 - 15:05

Beliebte Schlagwörter

#NeustartChor (8) Abschied (1) A capella (2) Aufführung (2) Bearbeitung (1) Bernius (1) Brahms (3) Bruckner (4) Burgmüller (1) Carus Jubiläum (3) Cherubini (2) chorissimo (3) Dirigenten (3) Dvorák (1) Fanny Hensel (1) Fauré (3) females featured (1) Französische Chormusik (5) Fux (1) Große Werke in kleiner Besetzung (1) Hasse (2) J. Bach (1) Jubiläum (9) Kantate (13) Komponisten (26) Komponistin (11) Kuula (1) Lieblingsschütz (10) Messe d-Moll (1) Missa solemnis (1) Musik und Informatik (2) Oper (7) Orchesterwerke (1) Praetorius (1) Puccini (6) Ravel (2) Scarlatti (1) Te Deum (2) Telemann (3) Verdi (2) Vierne (2) Vivaldi (1) Volkslied (2) W. F. Bach (1) Weihnachten (8)

Kategorien

  • Oper
  • Chorpraxis
  • Persönlichkeiten
  • Chorwerke im Spotlight
  • Musikgeschichten
  • Singen mit Kindern & Jugendlichen
  • Lieblingsstücke
  • Carus-Werkstatt

Beitragsarchiv

Informationen

Direkt zum Carus-Webshop
Datenschutz
Cookie-Erklärung
Impressum

Folgen Sie uns

  • Facebook
  • Instagram
  • YouTube
  • LinkedIn
  • Spotify

Kontaktinfos

Carus-Verlag GmbH & Co. KG
Sielminger Straße 51
70771 Leinfelden-Echterdingen

Telefon: +49 / 711-797 330-0
E-Mail Kundenservice: [email protected]
E-Mail Blog-Team: [email protected]

Link to: 6 Fragen an Nicholas Kok Link to: 6 Fragen an Nicholas Kok 6 Fragen an Nicholas Kok Link to: Pablo Casals: El Pessebre (Weihnachtsoratorium) Link to: Pablo Casals: El Pessebre (Weihnachtsoratorium) Casals: El PessebrePablo Casals: El Pessebre (Weihnachtsoratorium)
Nach oben scrollen Nach oben scrollen Nach oben scrollen