Eine Oper in der Kirche

Marius Popp ist begeistert von Amilcare Ponchiellis Messa

Die Messa von Amilcare Ponchielli ist ohne Zweifel ein Meisterwerk der italienischen Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts. Deshalb hat sie es verdient, in das heutige Konzertrepertoire wiederaufgenommen zu werden, so Marius Popp, Dekanatskantor in Kronach und Gründer und Leiter des Süddeutschen Ärztechores und -orchesters. Er selbst hat die Messe erst in Cremona, dann mehrere Male auch in Deutschland vor begeistertem Publikum aufgeführt.

Amilcare Ponchielli (1834-1886) ist einem größeren Publikum vor allem als Opernkomponist bekannt und zwar durch seine berühmteste Oper La gioconda (1876), die heute noch zum Repertoire der Opernhäuser gehört.

Anlässlich Ponchiellis 180. Geburtsjahres folgte ich 2014 mit dem Süddeutschen Ärztechor und Ärzteorchester einer Einladung durch Pietro Zappalà (Herausgeber der Messa) nach Italien mit Konzerten in der Kathedrale von Cremona (Ponchielli war viele Jahre Kapellmeister am Theater tätig), in der Basilica Santa Maria Maggiore in Bergamo (Ort der Uraufführung) und in Bologna. 2016 folgten weitere Aufführungen in Deutschland.

Das Werk kam sowohl bei den Musizierenden als auch beim Publikum sehr gut an. Wir waren begeistert, eine Oper in der Kirche aufführen zu können. So ließ die Messa für alle den Zugang zu einem ganz besonderen Hörerlebnis werden. Sie ist ohne Zweifel ein Meisterwerk der italienischen Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts. Deshalb hat sie es verdient, in das heutige Konzertrepertoire wiederaufgenommen zu werden.

Wenig bekannt sind Ponchiellis kirchenmusikalischen Werke. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere nimmt er 1881 die Stelle des Kapellmeisters an der Basilica Santa Maria Maggiore in Bergamo an. Die Messa komponierte er wie eine neue Oper, mit der man auf einer Opernbühne debütiert. Damit wollte er seinen kompositorischen Ruf erneut unter Beweis stellen und gleichzeitig die Erwartungen der Stadt erfüllen.

Die Uraufführung war für das Weihnachtsfest 1882 vorgesehen und ist für drei Solisten (Tenor, Bariton und Bass), fünfstimmigen Chor und großes Orchester geschrieben und umfasst die traditionellen fünf Teile des Ordinarium Missae (Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus–Benedictus, Agnus Dei), von denen die ersten drei relativ umfangreich, die beiden letzten eher knapp gehalten sind.

Der Musikwissenschaftler und Herausgeber dieses Werkes Pietro Zappalà schreibt in seinem Vorwort: „Die Uraufführung der Messe war ein grandioser Erfolg, wie man den Artikeln entnehmen kann, die nicht nur in der Lokalpresse, sondern auch in den wichtigsten Musikzeitschriften der Zeit (etwa in der Gazzetta Musicale di Milano) erschienen. Die enthusiastischen Urteile der Zeitgenossen heben im Wesentlichen folgende Charakteristika seiner geistlichen Musik hervor: das konstante Interesse an weit ausgreifenden Melodiebögen, das typisch für Ponchielli ist; die profunde Kompositionstechnik, die sich in der reichen Harmonik und der vielfältigen wie farbigen Instrumentation zeigt; die ausgewogene Balance der verschiedenen kompositorischen Mittel und expressiven Ebenen, in der alle Elemente zu einer Einheit verschmelzen: die sich entfaltenden Melodien der Solisten, die Polyphonie der Fugen, die dichte und vielgestaltige Präsenz des Chors und der sorgfältig ausgearbeitete Orchestersatz.“

Marius Popp

Marius Popp ist Dekanatskantor an der evangelischen Stadtkirche in Kronach. Er ist Gründer und Leiter des Süddeutschen Ärztechores und -orchesters.

 

Amilcare Ponchielli: Messa

Ponchielli: MessaPonchiellis Messa besticht durch ihre fließenden sanglichen Melodien, die reichen Harmonien und warmen Klangfarben. Auffallend ist die gewichtige Rolle des Chores, mit dem die drei nur männlichen Solisten eng interagieren. Die erste Notenausgabe der Messa ist eine Entdeckung für Chöre mit guten Männerstimmen, wobei die zweite Tenorstimme weitgehend von Baritonen gesungen werden kann.

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