Neues zu carus music

Ein Werkstatt-Bericht aus dem Business Development bei Carus

Gehören Sie auch zu den zahlreichen Chorsängerinnen und Chorsängern, die mit carus music, der Chor-App, ihre Chorstimme üben – seien es vertrackte Bach-Koloraturen oder die harmonischen Überraschungen eines Distlers? Oder sind Sie einer der vielen Chorleiter*innen, die ihrem Chor regelmäßig das Üben mit carus music empfehlen? Dann wundern Sie sich dieser Tage vielleicht, dass die Android-Version nicht mehr im vollen Umfang verfügbar ist. Tja – große Ereignisse werfen Ihre Schatten voraus! Wir haben einiges vor mit carus music, unserer Chor-App. Iris Pfeiffer, die die App als Leiterin der Abteilung Business Development verantwortet, gibt ein Update und verrät, auf was Sie sich schon in naher Zukunft freuen dürfen!

Erinnern Sie sich? Zur Musikmesse 2015 haben wir carus music, die Chor-App, auf der Frankfurter Musikmesse gelauncht. Gleich nach dem Start erreichten uns die ersten Anfragen: Können wir das auch auf dem PC nutzen? Nein, dem war leider nicht so! Die Zeichen standen damals ganz auf „native Apps“. Programmiert für Smartphones und Tablets auf den Plattformen von iOS und Android ließen sich so die Ressourcen der Geräte am besten nutzen. Die Chor-App fand schnell große Verbreitung: über 80.000 Chorsängerinnen und Chorsänger aus der ganzen Welt nutzten oder nutzen carus music seither, über 100 Chorwerke sind in der App verfügbar.

Die Kehrseite der Medaille für Carus als Entwickler: Jahr für Jahr stehen Updates der Betriebssysteme von Android und iOS an – die immer wieder Anpassungen der App erforderlich machen. Unsere Berliner App-Agentur sprylab, die die App 2015 quasi mit „aus der Taufe gehoben“ hat, muss sich permanent den neuen technischen Möglichkeiten stellen und das Gerüst, in dem der carus music-Player läuft, laufend anpassen. Für Carus bedeutet dies eine permanente Investition in interne und externe Kapazitäten, um die App für die Nutzer*innen weltweit funktions- und betriebsfähig zu halten. Wir hätten lieber in Weiterentwicklung und Repertoire-Erweiterung investiert. Jedes Jahr also ein Abwägen: beauftragen wir das Update oder können wir es dieses Jahr riskieren, die verschiedenen Updates nicht mitzugehen? Wo sind Probleme für unsere Nutzer*innen zu erwarten?

Iris Pfeiffer verantwortet bei Carus die Bereiche Business Development & Marketing.

Dann kam Anfang 2020 Corona und damit eine staatlich verordnete Singpause für Chöre weltweit. Während des ersten Lockdowns spürten wir noch die Motivation: Viele Sängerinnen und Sänger übten weiter und bereiteten neue Werke in „Heimarbeit“ vor. Spätestens mit dem zweiten Lockdown war es damit vorbei. Weder Übehilfen noch neue Chornoten, von deren Verkauf wir als Verlag leben, wurden benötigt. Die wirtschaftliche Lage für Carus wurde zunehmend schwieriger. Für uns im Business Development hieß dies: Wir fokussierten auf unser seit 2019 geplantes Projekt: einen umfangreich aktualisierten Webshop, in dem unsere Kund*innen neben dem Angebot an gedruckten Noten und CDs nun auch digitale Produkte erwerben können. Seit Oktober 2020 läuft der Verkauf von Notenausgaben zum Download, von Einspielungen und Zusatzmaterialien wie Einführungstexte und Singtexte. Als erster Verlag führten wir die innovative AODP-Kommunikation zum Verkauf digitaler Verlagsprodukte ein, die Branchenlösung der deutschen Musikverlage und Musikalienhändler aus dem Haus De-Parcon. Gleichzeitig wurde das entsprechende Angebot an digitalen Notenausgaben für teilnehmende Musikalienhandlungen in der Internationalen Datenbank für Noten & Verlagsartikel, kurz IDNV, freigeschaltet. Das neue Angebot wurde sofort gut angenommen: Die Freude war riesig, als nach dem Start des neuen Webshops gleich der erste Kauf ein Noten-pdf war. Seither werden bei uns Tag für Tag digitale Notenausgaben, Audio-Übehilfen und Texte erworben, nahezu reibungslos für Kundenservice und Auslieferung.

Gleichzeitig war klar: 2020 wird es definitiv nicht möglich sein, zusätzlich zu Webshop und Digitalverkauf auch noch in die Erhaltung der App zu investieren. Das Risiko war uns bewusst, aber an dieser Stelle mussten wir „auf Zeit spielen“. Leider kam im April 2021 die erste „Abmahnung“ von Google. Eine technische, nicht einmal besonders wertvolle Implementierung galt nach geänderten Richtlinien von Google als veraltet und nun nicht mehr akzeptabel. Schließlich wurde im Juni unsere Chor-App carus music von Google aus dem Play Store entfernt. Seitdem können Nutzer*innen, die die App installiert haben, die bereits heruntergeladenen Werke zwar weiter nutzen, aber keine neuen Werke erwerben. Und neue Nutzer*innen, die die Übehilfe vielleicht von Chorkolleg*innen empfohlen bekommen haben, finden die App nicht einmal mehr in ihrem App-Store – sofern sie ein Android-Gerät nutzen. Apple-Nutzer*innen haben noch immer alle Möglichkeiten.

Doch wir lieben unsere App und die Möglichkeit, die sie Chorsänger*innen bietet. Bereits seit den ersten Frühjahrswochen 2021 gab es detaillierte Überlegungen, die App als browsergestützte Version umzubauen. Ausschlaggebend für die Entscheidung war es, dass wir mit der neuen technischen Basis die notwendige Flexibilität gewinnen, um zukünftig neue Features zu entwickeln und Sie als Übende noch besser zu unterstützen. Und natürlich: die Übehilfe würde dann überall dort funktionieren, wo ein Web-Browser installiert ist. Schon der Prototyp von carus music lief im Browser. Web Apps, wie die browserbasierten Anwendungen auch genannt werden, werden in den Programmiersprachen HTML5 (für die Struktur und den Inhalt), CSS3 (für das Design) und JavaScript (für die Interaktion mit der Hardware des Gerätes) erstellt. Der Prototyp unserer App war 2013 eine Bachelorarbeit unseres damaligen Werkstudenten Simon Gebauer, veröffentlicht unter dem Titel „Entwicklung eines Prototyps zur Abbildung von Musikeditionen zum Export multimedial angereicherter Notenpartituren für mobile Endgeräte“ (Hochschule der Medien, Stuttgart, 2013). In der Einleitung der Bachelorarbeit hieß es schon damals: „Die Fülle an Informationen, die dem Carus-Verlag zu den Werken vorliegen, soll zukünftig auch digital und multimedial als „Klingende Studienpartitur“ zur Verfügung gestellt werden können. Die Klingende Studienpartitur ist eine um multimediale Features angereicherte Version der gedruckten Notenausgaben, die für mobile Endgeräte konzipiert ist. Im Rahmen dieser Arbeit entstanden zwei Prototypen der Klingenden Studienpartitur; einer in Form eines elektronischen Buchs, ein weiterer als App. Ziel dessen ist, die Grenzen der Möglichkeiten beider Formate aufzuzeigen und die Umsetzungen miteinander zu vergleichen.“

Welch positive Überraschung, dass die 2013 entwickelte „Klingende Studienpartitur“ auch acht Jahre später noch in den aktuellen Browsern lief! Allerdings hatten sich mit der Entwicklung der nativen App (2014/2015) noch einige Features ergeben, auf die mittlerweile sicherlich kein Chorsänger und keine Chorsängerin verzichten will. Erste Überlegungen zu einer browserbasierten Weiterentwicklung 2017 waren noch an der Frage gescheitert, wie wir unseren Kund*innen die digitalen Inhalte in dem damaligen Webshop anbieten. Hier schloss sich nun der Kreis zu unserer AODP-Implementierung im Webshop! Und genau im richtigen Moment wurde das entsprechende Förderprogramm im Rahmen von NEUSTART KULTUR eröffnet, mit dem neben Musikalienhandlungen und Instrumentenherstellern auch Musikverlage auf dem Weg in die Digitalisierung unterstützt werden. So konnten wir unser neues carus-music-Projekt zügig in Auftrag geben – trotz pandemiebedingter Kurzarbeit im Verlag. Das neue Projekt vereint das Beste aus der AODP-Implementierung im Webshop mit dem weiterentwickelten Prototyp der App. Unter der Leitung des Karlsruher Entwicklers Marian Saeger, der für unseren Verlag bereits einige maßgeschneiderte Anwendungen programmiert hat, entsteht derzeit eine mit dem Webshop eng verzahnte carus-music-Anwendung.

Im ersten Schritt werden Funktionalität und Layout der nativen App in der Web App reproduziert und gleichzeitig in ihrer Nutzbarkeit optimiert. Datenpakete müssen neu geschnürt und zum Download bereitgestellt, einige Funktionen und Darstellungen im Webshop angepasst werden. Der neue Vertriebsweg für carus music über unseren Webshop bedeutet auch: wir können zukünftig besser auf Kundenwünsche eingehen, beispielsweise wenn es um den Erwerb der Übehilfen für den ganzen Chor geht.

Mit der browserbasierten Anwendung wird die beliebte Übehilfe carus music in Zukunft in allen aktuellen und gängigen Browsern auf jedem mobilem oder stationären Gerät laufen können. Damit geht der lang gehegte Wunsch nach der Nutzung auch auf dem PC in Erfüllung! Zum 1. September 2021 – pünktlich zur hoffentlich wieder stattfindenden Chorsaison – werden wir die Anwendung unter dem Titel „carus music, the choir coach for all“ an den Start bringen.

Und sobald die Pandemie-bedingte Chorkrise vorbei und damit etwas mehr Budget da ist, können wir carus music endlich auch weiterentwickeln und nicht nur Instand halten. Ideen haben wir genügend – und freuen uns auch auf Input von Ihnen!

Iris Pfeiffer, im Juli 2021

Unsere neuen carus music-Produktbilder

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