Edwar Elgar: The Dream of Gerontius – unbedingt machen!
Die Dirigentin Christiane Hrasky mit Aufführungstipps
Sind Sie auf der Suche nach einem Oratorium, das nicht jeder Chor schon X-mal gemacht hat und das Publikum wie Aufführende garantiert begeistern wird? Dann hat Christiane Hrasky, Landeskantorin der Nordkirche und Dirigentin diverser Hamburger Chöre, eine Empfehlung: The Dream of Gerontius von Edward Elgar. Nach ihrer Aufführung in der Hamburger Laeiszhalle im November 2025 hat sie wertvolle Tipps für die erfolgreiche Umsetzung dieses durchaus anspruchsvollen, aber einfach großartigen Werks.
Im November 2025 haben wir The Dream of Gerontius von Edward Elgar in der Hamburger Laeiszhalle auf die Bühne gebracht. Das Stück ist ein echter Kracher. In jeder Hinsicht. Die Aufführung war eines der schönsten Konzerterlebnisse, die ich je umgesetzt habe. Und das nicht nur für mich, sondern auch für die Chöre, das Orchester und das Publikum. Stehende Ovationen kommen heutzutage ja öfter vor. Aber eine solche tiefe Berührung von Musik habe ich selten gespiegelt bekommen. Dieses Oratorium entwickelt live eine Wucht und Intensität, die man über eine Einspielung nur annähernd erahnen kann.
Aber: Das Stück ist eine Herausforderung! Wenn auch eine lohnende.
Der Dirigierpart benötigt eine handwerklich fundierte und akribische Vorbereitung, zumal ich (wie die meisten Kolleg*innen) mit allen Beteiligten nur eine Haupt- und eine Generalprobe plus eine kleine Anspielprobe zur Verfügung hatte. Wer es sich leisten kann, sollte unbedingt eine zusätzliche (Orchester-)Probe einplanen. Da das Stück mit den zwei durchkomponierten Teilen, der Leitmotivik und den ständigen Rubati mehr an eine Wagneroper erinnert als an ein Oratorium, ist es sehr hilfreich, ein gut aufeinander eingespieltes Orchester zu wählen. Ich hatte das Glück, mit den Hamburger Symphonikern zusammen arbeiten zu können. Diese waren in der Lage, knifflige Situationen, z.B. im Zusammenspiel mit den Solist*innen, als funktionierender Klangkörper aufzufangen.
Elgar ist für den Chor nie ein Selbstgänger. Und so war es auch bei diesem Oratorium. Die unerwarteten Harmoniefolgen und die nicht immer gesangsfreundliche Stimmführung sind machbar, brauchen aber mehr Übe-Aufwand und in unserem Falle auch eigene Vorbereitung zu Hause. Der Höllenchor und der Doppelchor im 2. Teil stellen die größte Herausforderung dar. Wenn der Chor die Stücke allerdings irgendwann kann, sitzen sie dauerhaft. Und dann ist die Begeisterung und Motivation für das Stück riesig.
Unter den Solopartien ragt die Tenorpartie für den Gerontius heraus. Sehr viel Notentext in hoher Lage mit großem Orchester begleitet – dafür braucht man einen stabilen und sicheren Sänger. Die Mezzopartie (Engel) ist hinreißend und dankbar. Als Stimmfach empfehle ich eher eine dramatische Mezzosopranistin, damit sie sich auch in der tiefen Übergangslage gegen das Orchester durchsetzen kann. Die Partie des Bariton (Priester und Todesengel) ist im Vergleich zu den anderen beiden Solist*innen recht kurz, aber durchgehend in hoher gespannter Lage. Das muss man im Vorfeld unbedingt mit dem Sänger absprechen.
Für den Chorpart benötigt man 2 Chöre: den Hauptchor (auch doppelchörig) und den Semichor. Insgesamt sollten mindestens 100 – 120 Sänger*innen auf der Bühne stehen. Wenn möglich, sogar noch mehr. Da das Orchester in der „kleinen“ Besetzung ca. 50 Musiker*innen zählt, braucht es eine gewisse Stimmgewalt im Chor, um über den Orchesterklang zu kommen. Mein Chor, der Franz-Schubert-Chor Hamburg, zählt ca. 100 Sänger*innen. Dazu kam der Konzertchor Kirchenmusik der Musikhochschule Hamburg. Das war eine große Bereicherung. Zum einen natürlich, weil die Kirchenmusikstudierenden gut ausgebildete junge Stimmen haben und eine außerordentliche Klangbereicherung waren. Zum anderen, weil sie die Partie des Semichores selbständig einstudieren konnten und so meine Probenarbeit entlastet haben.
Im Konzert stand der Semichor in der Loge 1. Rang und hat aus der Ferne gesungen – ein sehr schöner Effekt. Im 2. Teil standen beide Chöre auf der Bühne. So konnten der Semichor im Doppelchor und im Höllenchor (ein Erlebnis!) mitsingen, neben weiteren Semichor-Passagen.
Um das Publikum in das Geschehen zu holen, empfehle ich dringend eine Konzerteinführung vor der Aufführung. Diese kann kurz sein, sollte aber mindestens die Handlung erzählen, damit das Publikum dem Oratorium inhaltlich folgen kann.
Christiane Hrasky studierte Diplom Kirchenmusik und Orgel und Master Chorleitung und ist seit 2018 Landeskantorin der Nordkirche. Vertretungsprofessuren führten sie an die Hochschule für Musik Detmold und an die Universität Greifswald. Einen wichtigen Schwerpunkt ihrer Arbeit bildet die systematische Herausbildung einer klangschönen, belastbaren Singstimme. Ihre Stimmbildungskonzepte gibt sie in Workshops und Fortbildungen im gesamten Bundesgebiet sowie auf ihrem YouTube-Kanal weiter.
Meine Empfehlung: Unbedingt machen, wenn man sich das große Orchester leisten kann!





Nicht nur der berühmte Nimrod, auch die meisten anderen der 14 Enigma-Variationen von Elgar – liebevolle Porträts von Personen aus dem Umfeld des Komponisten – eignen sich hervorragend für den Vortrag auf der Orgel. Das beweist die vorliegende Ausgabe, in der neben Nimrod erstmals auch 10 weitere Variationen aus diesem Zyklus in Bearbeitungen für Orgel erscheinen, erstellt auf der Grundlage der beiden originalen Fassungen für Orchester und für Klavier. Die Arrangements dieser wunderbaren, stimmungsvollen Variationen sind von gemäßigtem Schwierigkeitsgrad und eignen sich gleichermaßen für Gottesdienst und Konzert.

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